Wer sind die Profiteur*innen des Bässlerguts?

Welche Firmen nehmen Aufträge im Ausschaffungsgefängnis Bässlergut an? Welche Firmen lagern Teile ihrer Produktion ins Bässlergut aus? Welche Firmen stellen Personal für Gefängnisse?
Eine Recherche- und Informationsreihe ab Mai 2026

Ausschaffungsknast in der Schweiz

Unser Hass gilt jeder Form von Knästen. Hier widmen wir der Ausschaffungshaft jedoch spezielle Aufmerksamkeit, da sie – durch die Einsperrung von Menschen allein auf Grund ihres Daseins – ein besonders perfider Auswuchs des Überwachung- und Betrafungssystem darstellt. 

Die Ausschaffungshaft ist keine Strafhaft, sondern eine Administrativhaft. Sie ist ein Instrument des schweizerischen Migrationsregimes, um Menschen, die nicht die ‚richtigen‘ Papiere besitzen, einzusperren, zu zermürben und unter Zwang auszuschaffen. 
Menschen werden eingesperrt, ohne zu wissen, wie lange ihre Haft dauern wird oder was mit ihnen geschehen soll. Bis zu 18 Monate werden sie festgehalten. Um sie zu einer ‚freiwilligen‘ Ausschaffung zu zwingen, wird den Gefangenen das Leben im Knast zur Hölle gemacht, bis sie schliesslich einer Ausschaffung zustimmen. Nicht selten werden Menschen damit in den Suizid getrieben; Suizid im Knast ist Mord!
Obwohl Ausschaffungshaft formell «nicht der Sanktionierung» dient, sondern eben eine Administrativ- (also eine verwaltende) Haft ist, gibt es nur marginale Unterschiede zur Strafhaft.

  • Gefangene des Bässlerguts werden auf allen denkbaren Ebenen systematisch entrechtet: 
  • Freiheitsentzug ohne Grund/Urteil oder festgelegte Länge
  • Verweigerung des Zugangs zu vollumfänglicher Gesundheitsversorgung
  • Einschränkung, Zensur und Überwachung der Internetaktivität
  • psychische und physische Gewalt

Auf perverse Weise wird an den Gefangenen ein Exempel statuiert. Ziel davon: Über die Schweizer Grenzen hinaus zu zeigen, was Menschen mit den ‚falschen‘ Papieren droht falls sie sich in die Schweiz wagen sollten. Eine Praxis, in der sich verschiedene europäische Staaten gegenseitig in ihrer Brutalität übertrumpfen. Tote auf den Fluchtrouten ebenso wie Gewalt, Ausgrenzung, Armut und Gefängnis in allen Ankunftsländern sind gewollte Abschreckung. 

In der Unterdrückung und Ausbeutung der Gefangenen – insbesondere jener in Ausschaffungshaft – erkennen wir eine Fortsetzung kolonialer Strukturen. Menschen fliehen vor Krisen, die durch die kolonial-kapitalistischen Zentren Europas geschaffen wurden. Sie folgen dem Versprechen des europäischen Reichtums, der auf dem Rücken der Ausgebeuteten in ihren Heimatregionen aufgebaut wurde. In diesen neokolonialen Systemen werden reiche Migrant*innen mit hohem Bildungsabschluss mit offenen Armen empfangen, andere umgebracht und eingesperrt. Es geschieht eine Einteilung in «nützliche» ergo gewollte und «unnützliche» ergo auszuschaffende Migrant*innen. Ausschaffungsknäste wie das Bässlergut sind ein zentraler Bestandteil dieser Spaltung. Die ‚Unnützen‘, die ‚Ungewollten‘ flüchten über gefährliche Routen und wenn sie es nach Europa schaffen, haben sie die ‚falschen‘ Papiere, um sich eine Existenz aufzubauen. Sie geraten in Polizeikontrollen, werden eingesperrt und in den Knästen weiter ausgebeutet. 

Wer hält diesen Knast und damit das Migrationsregime eigentlich am Laufen? Wer profitiert davon?
In dieser Inforeihe berichten wir von den Firmen, die im Bässlergut arbeiten und von jenen, deren Produkte im Rahmen des sogenannten ‚Beschäftigungsprogramms‘ produziert werden.

Den Knast intakt halten: Firmenaufträge im Bässlergut

Firma X reicht eine Offerte beim Bässlergut ein; Firma Y erhält eine Auftragsanfrage vom Bässlergut und sagt zu; ein Firmenauto fährt in den Knast rein, um einen Auftrag zu erledigen,
…dies sind bewusste unternehmerische Entscheidungungen, die aktiv gefällt werden!

Entscheidungen, die dazu beitragen einen Ort aufrecht zu erhalten, der Menschen hinter Mauern mit Stacheldraht einsperrt.

Denn wenn sich alle weigern würden für den Knast zu arbeiten, würde es ihn nicht geben. Sehr simpel.
Stellen wir uns vor, dass es für Knäste schwierig wird Firmen zu finden, die für sie arbeiten. Dass aus politischer Solidarität oder menschlichem Mitgefühl Aufträge ausgeschlagen werden. Dass die Gesellschaft klar macht, dass sie die Ausschaffungshaft nicht mitträgt. 

Unternehmen, die sich in vollem Wissen darum, dass sie die Gefängnismaschinerie mittragen, dazu entscheiden für diesen Knast zu arbeiten, müssen damit rechnen dass sie in den Fokus jener fallen, die den Knast und sein System bekämpfen. 
Wir greifen damit nicht Arbeiter*innen an, die es sich aufgrund von Lohnabhängigkeit oft nicht leisten können das Ausführen eines Auftrags im Knast zu verweigern. Wir kritisieren jene, die unternehmerische Entscheide treffen, die das reibungslose Funktionieren ermöglichen auf die Gefängnisleitung und Migrationsamt angewiesen sind. 

«Beschäftigungsprogramm»: Profit durch Ausbeutung von Gefangenen 

Zusätzlich zu dem ohnehin schon gewaltvollen Alltag des Knastes, werden die Gefangenen im Bässlergut – und so ziemlich allen anderen Knästen – ökonomisch ausgebeutet. 
Wer in der Schweiz in ein Gefängnis kommt untersteht laut Gesetz einer Arbeitspflicht. Damit diese Arbeit nicht angemessen entlohnt werden muss, wird sie hinter dem Begriff der «Beschäftigung» versteckt. In Administrativhaft ist die Arbeit freiwillig, im Strafvollzug obligatorisch. Die Gefangenen leisten Arbeitsstunden für den Gefängnisbetrieb, bspw. in der Küche oder der Wäscherei. Im Bässlergut  arbeiteten Gefangene im Jahr 2024 33`000 Stunden für den internen Betrieb (das entspricht knapp 15 Vollzeitstellen bei rund 40 Insassen). Ausserdem geben verschiedene private Firmen und Unternehmen Aufträge in den Knast, um Gefangene für sich produzieren zu lassen – im Jahr 2024 ingesamt 20`000 Arbeitsstunden im Bässlergut.

Je nach Kanton und Haftanstalt bekommen Gefangene zwischen 7.50 und 42.50 Franken pro Tag. Im Bässlergut arbeiten die Gefangenen der Ausschaffungshaft für 3-5 CHF pro Stunde zu maximal 2.5 h pro Tag. Gefangene ohne Familie oder Bekannte, die Lebensmittel oder andere notwendige Sachen mitbringen, sind auf diese Arbeit angewiesen, um Tabak, Essen oder Telefonkarten zu kaufen; in einem Knast-Kiosk mit völlig überteuerten Preisen. Gefangene ohne Unterstützung von draussen haben also keine andere Wahl: Sie müssen die Scheiss-Arbeit der Profiteur*innen verrichten und ihre Tage mit unterbezahlter, langweiliger Arbeit (bspw. Kartons falten) verbringen. Dass diese Ausbeutung mit Begriffen wie ‚Beschäftigung‘, ‚Resozialisierung‘ oder ‚Ausbildung‘ schöngeredet werden, ändert nichts an der gewaltvollen Realität.

Wer aber sind die Profiteur*Innen des Bässlerguts? Welche Unternehmen profitieren vom Knast und der billigen Arbeitskraft? Welche Produkte können billiger verkauft werden, weil Gefangene ausgebeutet werden? Da die Firmen selbst kaum öffentlich darüber sprechen und das Gefängnis oder kantonale Behörden sich weigern Informationen dazu herauszugeben, wollen wir mit dieser Informationsreihe ein bisschen Licht ins Dunkel bringen – denn wir halten diese Information durchaus für von öffentlichem Interesse.

Unsere Rechercheergebnisse veröffentlichen wir in regelmäßigen Abständen auf unserer Homepage, Instagram und Plakaten im öffentlichen Raum.

Knastmaschinerie einreissen!  

Für das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut zu arbeiten ist weder entschuldbar noch erklärbar. Es ist eine bewusste Entscheidung, Profit an einem Ort zu erwirtschaften, wo Menschen tagtäglich Gewalt erfahren. Knäste sind auf reibungslose Abläufe angewiesen. Wenn Politik, Wirtschaft und letztlich die Gesellschaft Knäste jedoch nicht mehr blind mittragen, geraten sie schnell ins Wanken. Wir wollen und werden uns nicht mit besseren Bedingungen im Knast zufrieden geben; wir wollen Freiheit für alle und wir werden nicht nachgeben bis dies erreicht ist. 

Sollen alle Profiteur*innen und Unterstützer*innen der Knäste von ihrem Gewissen geplagt werden, bis niemand mehr dieses System mitträgt. Wir kämpfen, bis die ganze Gesellschaft sich gegen Ausschaffungsknäste stellt. Wir kämpfen, bis alle Gefangenen frei sind. Bis Kolonialismus, die Festung Europa und alle Mauern bröckeln und schliesslich fallen.  

Nieder mit den Knästen und dem Kolonialismus – Freiheit für alle Gefangenen!