widerständig
selbstbestimmt
solidarisch

Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der rassistische Kontrollen alltäglich sind. Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der Menschen in Bundesasyllager oder (Ausschaffungs-)Gefängnisse gesperrt werden. Wir wollen nicht in einer Welt leben, in der ein Schritt über eine willkürlich gezogene Linie die einen ins Gefängnis bringt, während andere dieselbe Grenze nach jedem Urlaub und jeder Einkaufstour ohne Probleme überqueren. Wir wollen stattdessen in einer Welt leben, in der Menschen frei entscheiden können, wo und wie sie leben.

Das Kollektiv Drei Rosen gegen Grenzen fordert:
  • Keine rassistische Kategorisierung von Menschen!
  • Asyllager und Bunker schliessen!
  • Gleiche Recht und gleicher Schutz für alle!
  • Grenzen öffnen – Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit für alle.
  • Un monde ou rien!*

«Wir können nicht mehr ruhig sein» – rufen wir mit euch!

Stellungnahme von den 3 Rosen gegen Grenzen zum Protest von Stop Isolation in Bern

Basel, 31. Juli 2020

Die 3 Rosen gegen Grenzen solidarisieren sich entschlossen mit dem Protest von Stop Isolation. Die Aktivist*innen fordern nichts anderes als Grundbedingungen für ein menschliches Leben – ein Recht, das allen Menschen zusteht.

Der Kanton Bern behauptet tatsächlich, dass die Forderungen von Stop Isolation «unsolidarisch» und «undemokratisch» seien. Kanton Bern, glaubt ihr selber an das, was ihr Stop Isolation geantwortet habt? Im Gegensatz zu euch und dem SEM spricht Stop Isolation niemandem ein Recht ab. Sie fordern nicht weniger Rechte für andere, um selber mehr zu kriegen. Das wäre unsolidarisch. Aber sie fordern lediglich gleiche Rechte für alle in der Schweiz lebenden Menschen. Also die Grundlage einer Demokratie. Ein Protest gegen Gesetze, über deren Inhalt die Betroffenen nicht mitreden konnten, ist nicht undemokratisch.  

Wir solidarisieren uns mit den Forderungen von Stop Isolation, nämlich: (1) Aufenthaltsbewilligungen für alle (2) keine Isolation in «Rückkehrcamps» (3) keine ständigen Kontrollen, Bussen und Haftstrafen wegen illegalisierten Aufenthalts (4) Respekt und Würde für alle

Wir wehren uns zudem gegen den euphemistischen Sprachgebrauch der Schweizer Behörden.

Migrationsbehörden, steht wenigstens dazu, was ihr tut und benennt es ehrlich. Die sogenannten «Rückkehrzentren» sind Ausschaffungslager. Die betroffenen Menschen können nämlich nicht «zurückkehren» in die Länder, aus denen sie geflüchtet sind. Sie müssen in diesen Lagern auf ihre erzwungene und unter Gewalt ausgeführte Ausschaffung warten. Sie werden nicht «zurückgeführt», sondern deportiert. Die «Bundesasylzentren» weisen alle Eigenschaften von Lagern auf. Es sind weder «Heime» noch «Zentren», sondern Lager, innerhalb derer andere Rechte gelten, als ausserhalb. Menschen werden demoralisiert und zermürbt, bis sie «von selbst» weiterreisen. Oder sie tun sich aus Verzweiflung selber Gewalt an, wie es letzte Woche in Bern passiert ist. 

Das Migrationssystem ist von Gewalt durchzogen. Das beginnt in den Ländern, aus denen Menschen flüchten, setzt sich im Mittelmeer und an Grenzzäunen fort und endet in den Asyllagern in der Schweiz. Wieso betreibt die Schweiz ein Asylsystem, das psychische und physische Gewalt gegen eine Gruppe von Menschen ausübt? Wieso isoliert die Schweiz Menschen hinter Stacheldraht? Wieso schlagen Securitas und Protectas Asylsuchende systematisch in sogenannte «Besinnungsräumen» spitalreif?

Hier geht es nicht um «legitime» Fluchtgründe. Hier geht es einmal mehr darum, dass die Schweiz am Geschäft mit flüchtenden Menschen global profitiert, aber keine Verantwortung für die Folgen tragen möchte. Hier geht es um die politische Instrumentalisierung von Menschen ohne Lobby. Hier geht es um die rassistische Ausbeutung von Menschenleben. Ein solches System hat keine Daseinsberechtigung. Solange nicht alle Asyllager geschlossen sind und solange es kein Bleiberecht für alle gibt, werden wir nicht ruhig sein.

Saeed sagt in einem Video auf megafon: «Wir können nicht mehr warten und ruhig sein.» Ihr seid nicht allein, wir solidarisieren uns mit euch und stehen hinter euch.

Solidarisch aus Basel,

3 Rosen gegen Grenzen