Solidarität in Zeiten von Corona mit Menschen in Asyllagern

Die aktuelle zwischenmenschliche Solidarität ist wichtig, aber mehr denn je muss sie auch die Menschen in den Bundesasyllagern in der Schweiz und die Menschen im Lager Moria auf Lesbos erreichen. Auf der Insel Lesbos werden Geflüchtete und NGO-Mitarbeitende von nationalistischen und faschistoiden Gruppierungen gejagt und angegriffen. Am Montag, 16.3.2020, ist in Moria ein sechsjähriges Kind bei einem Feuer gestorben. An der Grenze zur Türkei bekämpfen die Polizei und die EU-Grenzschutzeinheit Frontex weiterhin geflüchtete Menschen mit allen Mitteln der Gewalt. Diese Grausamkeiten tragen die EU und die Schweiz in vollem Bewusstsein mit – dafür müssen sie verantwortlich gemacht werden. Geflüchtete Menschen sind kein Pfand, das als Druckmittel zwischen Staaten instrumentalisiert werden darf.

Corona zeigt exemplarisch auf, wie das Asylsystem vom Staatssekretariat für Migration (SEM) betrieben wird: Während alle Institutionen des gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden und die Bevölkerung angehalten ist, sich nicht in Gruppen über fünf Personen aufzuhalten, bleibt in den Asyllagern alles beim Alten. Dort scheinen andere Regeln zu gelten, als für die Menschen ausserhalb des Lagers. Unsere direkten Kontate zu den Menschen im Bundesasyllager Basel bestätigen (Stand 18.3.2020):

  • Aktuell sind im Camp 50 circa 200 Personen auf engem Raum untergebracht. Sie müssen sich dort täglich 13 Stunden aufhalten.
  • Aktuell leben noch immer bis zu 12 Personen pro Schlafsaal.
  • Die sanitären Einrichtungen sind absolut unzureichend und bieten weder Privatsphäre noch den notwendigen hygienischen Standard.

In unserer Medienmitteilung vom 19. März 2020 fordern wir zusammen mit den Direktbetroffenen mehr Raum für die Unterbringung. Und zwar menschenwürdigen Raum. Hotels und Leerstand öffnen!

NEU: Die 3 Rosen haben das Manifest “Wir klagen an!” unterzeichnet. Die im Mai 2020 lancierte Kampagne von Solidarité sans Frontières und Demokratische JouristInnen Schweiz klagt die menschenverachtende Politik der Schweiz während Corona an: “Während in Zeiten der Krise in vielen Bereichen Lösungen gefunden werden, soll das Asylregime um jeden Preis aufrechterhalten werden. Eher missachten die politischen Entscheidungsträger staatlich verordnete Schutzmassnahmen, als das repressive System auch nur geringfügig zu lockern.” Auf der Homepage der Kampagne findet sich das Manifest und Berichte aus verschiedenen Asylinstitutionen im Kanton Zürich: http://www.wir-klagen-an.ch/de.

Medienmitteilung_3rgg_19.03.2020