Corona im Bundesasyllager

18.06.2021: Zur Zeit wohnen ca. 120 Personen im Camp 50. Es gibt 4 bestätigte Coronafälle, darunter ein 70-jähriger Mann*.


Frühling 2021: Zweiter Lockdown bringt keine Veränderungen im Camp 50

Im zweiten Lockdown haben wir von keinen Anpassungen des Lagerbetriebs im Camp 50 gehört. Das heisst: Menschen bekommen weiterhin Transfers in kantonale Einrichtungen und andere Bundesasyllager; die Beschwerdefristen auf Asylentscheide wurden nicht verlängert, obwohl die unabhängigen Rechtsberatungsstellen ausserhalb des Lagers weniger zugägnlich waren; weiterhin sind Asylanhörungen ohne Rechtsbeistand (Corona-Ausnahmeordnung) zulässig; es wurden keine zusätzlichen mehr Schlafzimmer, Aufenthaltsräume oder Essräume durch die ORS geöffnet, um mehr Raum zu schaffen; weiterhin wohnen bis zu 8 Personen pro Raum, teilweise mehrere Familien pro Zimmer; es wurde nicht mehr Gesundheitspersonal angestellt. Einzige Neuerung, von der die Betroffenen berichten, ist die Einrichtung einer Isolationsstation in der sogenannten “Villa”, wo bis Ende Dezember die unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden wohnten. Diese wurden nach Reinach in ein Lager in einem Gewerbeareal geschickt, im Sommer 2021 sollen sie zurück ins Camp 50 kommen.


Oktober/November 2020: Grosser Corona-Ausbruch im Bundesasyllager Basel

Nachdem Anfang November im Bundesasyllager Basel circa 20 Menschen an Corona erkrankt waren, gab es etwas Aufregung – aber nicht lange. Von einem langanhaltenden Corona-Schutzkonzept kann in keinster Art und Weise die Rede sein. Drei konkrete Infos aus dem Camp 50 dazu: Erstens, Camp 50 ist voll, über 200 Menschen müssen zurzeit dort leben. Zweitens, es schlafen 8 Personen pro Zimmer. Drittens, die Transfers zwischen verschiedenen Bundeslagern und kantonalen Lagern wurden nie gänzlich eingestellt und sind wieder in vollem Gange. Damit wird sowieso jede Schutzmassnahme zur Farce. Der SEM-Sprecher findet derweil in einem Interview im Regionaljournal Basel, das Duschen “nicht überlebendwichtig” sei. Den an Corona erkrankten Jugendlichen aus Camp 50 wurde zuvor während zweier Wochen der Zugang zu den Duschen verwehrt. Die Art und Weise, wie Institutionen mit Menschen und Richtlinien umgehen, zeigt welcher Wert unterschiedlichen Gruppen von Menschen und ihrer Gesundheit zugeschrieben wird: In den schweizer Bundesasyllagern und Ausschaffungslagern werden die zwangsuntergebrachten Menschen wie Menschen zweiter Klasse behandelt – die Corona-Situation zeigt dies einmal mehr deutlich auf. Ende der Zwangsunterbringung, für ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben!

Ich würde lieber im Wald leben als im Asylheim“. Ein Artikel von Adelina Gashi zur Situation im Camp 50 Basel und im Camp Allschwil im Oktober 2020 als Corona im Lager ausbrach. Mit Gesprächen mit zwei Betroffenen.


18.03.2020: Solidarität in Zeiten von Corona mit Menschen in Asyllagern

Die aktuelle zwischenmenschliche Solidarität (März 2020) ist wichtig, aber mehr denn je muss sie auch die Menschen in den Bundesasyllagern in der Schweiz und die Menschen im Lager Moria auf Lesbos erreichen. Auf der Insel Lesbos werden Geflüchtete und NGO-Mitarbeitende von nationalistischen und faschistoiden Gruppierungen gejagt und angegriffen. Am Montag, 16.3.2020, ist in Moria ein sechsjähriges Kind bei einem Feuer gestorben. An der Grenze zur Türkei bekämpfen die Polizei und die EU-Grenzschutzeinheit Frontex weiterhin geflüchtete Menschen mit allen Mitteln der Gewalt. Diese Grausamkeiten tragen die EU und die Schweiz in vollem Bewusstsein mit – dafür müssen sie verantwortlich gemacht werden. Geflüchtete Menschen sind kein Pfand, das als Druckmittel zwischen Staaten instrumentalisiert werden darf.

Corona zeigt exemplarisch auf, wie das Asylsystem vom Staatssekretariat für Migration (SEM) betrieben wird: Während alle Institutionen des gesellschaftlichen Lebens geschlossen werden und die Bevölkerung angehalten ist, sich nicht in Gruppen über fünf Personen aufzuhalten, bleibt in den Asyllagern alles beim Alten. Dort scheinen andere Regeln zu gelten, als für die Menschen ausserhalb des Lagers. Unsere direkten Kontate zu den Menschen im Bundesasyllager Basel bestätigen (Stand 18.3.2020):

  • Aktuell sind im Camp 50 circa 200 Personen auf engem Raum untergebracht. Sie müssen sich dort täglich 13 Stunden aufhalten.
  • Aktuell leben noch immer bis zu 12 Personen pro Schlafsaal.
  • Die sanitären Einrichtungen sind absolut unzureichend und bieten weder Privatsphäre noch den notwendigen hygienischen Standard.

In unserer Medienmitteilung vom 19. März 2020 fordern wir zusammen mit den Direktbetroffenen mehr Raum für die Unterbringung. Und zwar menschenwürdigen Raum. Hotels und Leerstand öffnen!


Video-Dateien der sanitären Anlagen im Bundesasyllager Bässlergut